Jugendaustausch in Afrika - Aufbruch am Kilimanjaro

Kingòri/Michelau. Drei Wochen dauerte der erste Jugendaustausch zwischen der Evangelischen Jugend im Dekanat Michelau und dem Eastern District der Meru Diözese in Tansania. Unter der Leitung von Dekanatsmissionsbeauftragte Veronika Flierl, Burgkunstadt und Diakon Alexander Loos, Michelau wurde an der Krankenstation gearbeitet, bei der Maisernte geholfen und der interreligiöse und partnerschaftliche Kontakt zwischen beiden Seiten verfestigt.

Tansania, für viele ein Begriff, wenn es um Reisen zum Kilimanjaro, dem höchsten Berg Afrikas oder einem der vielen Nationalparks geht, ist für die Teilnehmer der Reisegruppe nun ein Ort geworden, an dem Freunde wohnen. Die staatliche Gesundheitsversorgung in der Region am Fuße des Kilimanjaros ist sehr dürftig. Von den 44 Millionen Einwohnern Tansanias sind ungefähr 80% Kleinbauern. So auch der Großteil der 14.000 Christen in der Region der Meru Diözese.

Die Evanglisch-Lutherische Kirche in Tansania stellt mit der Krankenstation vor Ort so die einzige medizinische Versorgung im Umkreis von 50 km da. Mit Blick auf die äußerst dürftigen Straßenverhältnisse und der Tatsache, dass viele Einwohner über kein eigenes Fahrzeug verfügen „war es uns eine Herzensangelegenheit“ das Labor der Krankenstation  mit aufzubauen, so die Teilnehmerin Katja Baierlein aus Schwürbitz. Mit Hilfe von Spendengeldern aus Deutschland und der Arbeitskraft der Teilnehmer konnten die beiden Laborneubauten weitestgehend fertiggestellt werden. „Verputzt wird eigentlich wie bei uns zu Hause“ wusste Johannes Laschka aus Mitwitz, der sich ebenso wie Michael Herán (Mitwitz) als echter „Fundi“ (Handwerker) bewies.

Neben den Arbeiten an der Krankenstation stand der Kontakt mit den Jugendlichen vor Ort auf dem Programm. Die Jugendarbeit in Tansania weist ähnliche Strukturen auf, wie in Deutschland. Trotzdem gab es einige Unterschiede. „Hier in Tansania ist man mit 35 Jahren auch noch ein Jugendlicher, das ist bei uns schon anders“ so äußerte sich das jüngste Mitglied der Reisegruppe, der 16jährige Mario Nino Höhn aus Michelau. Bei gemeinsamen Arbeiten, Bibelarbeiten und Ausflügen in der Region entstand auch die ein oder andere Freundschaft. Die Herzlichkeit der Menschen, die oft von weniger als einem Euro am Tag leben, „ist etwas, dass ich sicher nicht vergessen werde“ so Jennifer Kuschick aus Zapfendorf.

Neben dem Besuch des Tarangire Nationalparks war die Einladung zur Familienfeier des Bischofs sicherlich das Highlight der Reise. Ganz anders als bei uns in Deutschland und mit den besten Plätzen auf dem Fest konnten die Jugendlichen ein tansanisches Freudenfest hautnah miterleben. „Den ein oder anderen Impuls der Feier behalte ich mir als Idee - man kann ja nie wissen“ so Kerstin Stammberger aus Schney.

Ein Wiedersehen mit alten Bekannten gab es im Rehablitationscenter in Usa River. Dort trafen die Jugendlichen auf eine Reisegruppe von Rummelsberger Diakonenschülern, die ebenfalls zum Austausch in Tansania weilte. „Das Menschen mit einer Behinderung hier einen Ausbildungsplatz und danach eine Arbeitsstelle bekommen“, fand Ruth Grünwald aus Michelau bemerkenswert.


Durch die erfreulich hohe Unterstützung von verschiedenen Geldgebern kam der Jugendaustausch zustande. Dafür an dieser Stelle herzlichen Dank. Auch der Kreisjugendring Lichtenfels hat die Reise bezuschusst. Am Ende der dreiwöchigen Maßnahme kann der Austausch als rundum gelungen gelten. Für beide Seiten waren es lernreiche, interessante und manchmal auch anstrengende Tage.

Das „Eintauchen“ in eine andere Kultur, die Tatsache, sich in auf die Gegebenheiten vor Ort einzulassen, der Verzicht auf das, was für die deutsche Seite selbstverständlich ist, für die tansanische Seite als Luxus gilt und die gemeinsame Basis, der Glaube an den lebendigen Gott haben die drei Wochen geprägt. Diese Bereicherung tragen die deutschen Teilnehmer nun als Botschafter der Partnerschaft mit nach Hause. Bei Vorträgen und Informationsveranstaltungen wollen sie davon berichten. Tansania ist nun für die Teilnehmer nicht mehr „ein“ Land irgendwo in Afrika, sondern ein Ort, an dem Freunde wohnen.

Hierbei hat sich wieder einmal die Weitsicht unseres Ansprechpartners vor Ort, Dekan Malaki gezeigt, der dem Gästehaus den Namen „Rafiki“ gegeben hat, was „Freunde“ bedeutet. Die Partnerschaft ist um eine wichtige Erfahrung reicher und daran gewachsen. Asante Sana.

Text: Diakon Alexander Loos, Bilder: Katja Baierlein (Evangelische Jugend)

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